Notizen der Schnapsnase

23. Februar 2024
 


Best of Schnaps - Vinaria Nr. 08 / 2023
Es gibt mehrere Gründe, mich den von Vene Maier verfassten Artikel über die besten Brenner des Jahres 2023 und die besten Schnäpse des Jahres 2024 in meinen "Notizen" zu widmen.
11 der 15 Brenner hab´ ich auch auf meiner Schnopsroas 2012 besucht oder bei anderen Gelegenheiten persönlich kennengelernt. 3 Brenner zählen zu den Pionieren und Gründern der Quinta Essentia (Gölles, Latschen und Trausner). Mit David Gölles, Lukas Krenn, Irene Wurm, Luis Trausner, Lukas Schüller und Franz Ratzinger hat die nächste Generation die Nachfolge ihrer Väter/Schwiegerväter angetreten oder stehen kurz davor.
Die Manufaktur Gölles in Riegersburg und die Pfau-Brennerei von Valentin Latschen in Klagenfurt haben die Blütezeit des Obstbrandes in den Jahren 1985 bis 2005 mitbegründet. In diese Zeit fällt das Gründungsjahr der "Quinta Essentia", die mit Alois Gölles, Valentin Latschen, Karl Hubert Gasser, Günter Rochelt und Karl Holzapfel als Vereinigung österreichischer Top-Brenner neue Maßstäbe in der Welt der Edelbrände gesetzt hat.
Der mit der Höchstnote von 20 Punkten versehene Saubirnenbrand ist eine schöne Reminiszenz an diese Zeit. Alois Gölles hat sich dieser Birnensorte angenommen, die er von seinem, 2011 verstorbenen Wegbegleiter Karl-Hubert Gasser aus Vorarlberg in die Südsteiermark geholt hat. In Vorarlberg ist diese Birne als Subirer bekannt - eine geschützte Marke, die am besten im Schnapsglas zu geniessen ist. Mit Attributen, wie "sehr feines Bukett, würzig, prägnant, konzentrierte Perfektion am Gaumen, ein Destillat der seltenen Art, einfach genial" gab es vom Verkostertrio Vene Maier, Hermann Botolen und Adi Schmid höchste Anerkennung.

 

12. Dezember 2023
 

100 Punkte, besser geht nicht - Edelbrände vom Sammerhof
Wenn eine Spirituose, ein Geist oder ein Edelbrand mit 100 von 100 Punkten bewertet wird, dann ist das schon etwas Besonderes, jedenfalls Grund genug diese und andere Geiste und Brände vom Sammerhof aus dem oberösterreichischen Salzkammergut zu verkosten.
Die Falstaff Spirits Trophy 2023 hat zahlreiche hochprämierte Spirituosen vor den Vorhang geholt, geizt aber mit der Höchstpunktezahl. Nur zweimal wurden 100 Punkte vergeben und zwar an den Rote Williamsbirnen-brand von Matthias Gasteiger und den Manderinengeist vom Sammerhof.
Dieser zeigt in der Nase einen unglaublich intensiven, frischen Duft, der sich am Gaumen druckvoll und fruchtig fortsetzt. Seine Größe zeigt der Geist am Gaumen und im leeren Glas, wo er eine unendliche Länge ausspielt.
Einmal neugierig geworden interessieren mich noch weitere Produkte aus dem Hause Christian Brunner.
Etwa der Vogelbeerbrand im Maulbeerfass, der die typischen Fruchtaromen der Vogelbeere mit einem kräftigen Marzipanton vereint. Das Holz bleibt dezent im Hintergrund, gibt dem Brand aber Farbe und einen süßlich animierenden Charakter.
Durchgängig fruchtig und klar präsentiert sich das Zitrus-Trio aus Limettengeist, Grapefruitbrand und dem Blutorangenbrand von der sizilianischen Tarocco Blutorange, edel verpackt in einem Holzkarton.
Mag. Christian Brunner hat 2008 mit dem Schnapsbrennen am Sammerhof als Hobby begonnen, die Ausbildung zum Edelbrandsommelier absolviert und ist der Nachfolger des 2007 verstorbenen Franz Miglbauer, des Großvaters seiner Lebensgefährtin. Franz Miglbauer zählte zu den führenden Edelbrennern Österreichs.

 

6. Dezember 2023
 

Sulzer is back
Der leider viel zu früh verstorbene Leopold Sulzer aus Eschenau zählt zu den Edelbrandpionieren der Region und war konstant in den Ergebnislisten der Prämierungen im Rahmen des "Goldenen Dirndl" in Traisen zu finden. Als langjähriger Obmann der Brennereigemeinschaft Bergland hat er die Geschicke der ersten Edel-brandgemeinschaft in der Region geleitet. 25 Jahre später hat mich sein Sohn Josef zu einer kleinen Verkostungsrunde nach Steubach eingeladen. Er konzentriert sich nach dem Tod seiner Eltern auf die Verarbeitung von Obst zu Säften und Mosten, die unter der Marke Sulzermost präsentiert werden.
Die Verkostung wird mit einem sehr feinen Apfelbrand gestartet. Die vorerst etwas verhaltenen Frucht-aromen entwickeln sich sehr gut zu einem komplexen, harmonischen Edelbrand. Weiter geht's mit einem Spenling, der mit einer feinen Marzipannote die Herkunft als Steinfrucht nicht leugnen kann, sich im Fruchtaroma aber etwas zückhaltend zeigt, was möglicherweise auch mit dem Fruchtbild der Schale "gelb
mit roten Streifen" zu tun hat.
Ein Höhepunkt der Verkostung war ein Edelbrandquartett aus Asperl-, Mostgeläger-, Zwetschken- und Vogelbeerbrand. Aber schön der Reihe nach.
Der Asperlbrand überzeugt mit einer unglaublichen Dichte und feinen Aromatik. Keine pelzig-erdigen Anklänge, sondern ein volles Fruchtaroma genussreifer Asperl, das im Geruch und Geschmack gefällt. Der Gelägerbrand, ein Dauerbrenner in den Siegerlisten vor 20 Jahren, zeigt ein sehr ausgeprägtes, frisches Mostaroma, das von Hefetönen zart umspielt wird.
Einen unverkennbaren Steinton mit einer sehr feinen Frucht charakterisiert den Zwetschkenbrand, den man in dieser Form und Ausprägung wohl lange suchen muss.
Mit einem unglaublichen Duft und einem vollmundigen Fruchterlebnis präsentiert sich der Vogelbeer-brand, der ähnlich wie der Gelägerbrand, in früheren Zeiten ein mehrfach prämiertes Markenzeichen im Hause Sulzer war. Imposant der enorm lange Abgang dieser Edelbrandrarität!
Schön, dass die Brennertradition am Panzenöd-Hof fortgesetzt wird!

 

Notizen der Schnapsnase - Fortsetzung
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